Abstracts der Workshops

Workshops am 6. März 2024

In zehn Workshops wollen wir mit den Kongressteilnehmern aktuelle arbeitswissenschaftliche Aufgabenstellungen erörtern, vorliegende Projektergebnisse vorstellen und Impulse für die zukünftige Forschungsarbeit vermitteln. Die Abstracts dieser Workshops finden Sie nachfolgend.

Als umsatz- und beschäftigungsstarke Branche in Deutschland steht die Logistik vor dem Hintergrund aktueller Trends und Krisen in der Arbeitswelt vor Herausforderungen aber auch Chancen. Der vorherrschende Fachkräftemangel führt mittel- bis langfristig zu einer Knappheit an qualifiziertem Personal; einhergehend mit der hohen Anzahl an physischen und psychischen Belastungsfaktoren in operativen Bereichen der Logistik sowie hoher Krankenstände sind Unternehmen mit Zusatzkosten aufgrund von Produktivitätsverlusten und Fluktuationen erfahrener Fachkräfte konfrontiert. Mit dem Einsatz Methoden Künstlicher Intelligenz (KI) erweitert sich der Lösungsraum, diesen Herausforderungen zu begegnen. Durch die Anwendung von KI-Methoden lassen sich Informationen aus großen Datenmengen extrahieren und für die Optimierung der Arbeits- und Prozessgestaltung nutzen. Bei der Entwicklung von KI-Systemen ist zu beachten, dass sie die menschliche Arbeit ergänzen und die Rolle des Menschen in der Arbeitswelt bestätigen sowie bestärken. Daraus ergibt sich die Frage, wie sichere, vertrauenswürdige und erklärbare KI-Systeme gestaltet werden können. Im Rahmen des Workshops wird der am Fraunhofer IML entwickelte KI-basierte Softwareprototyp „Ergonomischer Ressourcenplaner in der Kommissionierung (ERiK)“ vorgestellt und dessen menschenzentrierte Gestaltung anhand bestehender Gesetze, Normen, technischer Regeln und Leitfäden diskutiert

Das angewandte Forschungsprojekt „ERiK“ hat die softwareseitige Entwicklung einer KI-basierten Logik zur belastungs- und beanspruchungsorientierten Verteilung von Kommissionieraufträgen auf die im Lager verfügbaren Mitarbeitenden zum Ziel. Unter Anwendung des entwickelten KI-Systems werden Aufträge in Abhängigkeit vorliegender Arbeitsbelastungsfaktoren (z. B. Artikelgewicht, Überkopfarbeit) sowie individueller personenbezogener Voraussetzungen (z. B. Geschlecht, Alter) verplant. Basierend auf der Analyse identifizierter Merkmale wird ein Algorithmus zur Bestimmung der individuellen Belastung eines Auftrags und Durchführung einer belastungsoptimierten Zuordnung der Aufträge genutzt. Die Merkmale und Funktionsweise des KI-Systems ERiK und die Rolle des Menschen bei der Zusammenarbeit mit dem System werden anhand eines entwickelten Leitfadens in Anlehnung an bestehende Taxonomien und Klassifikationsansätze zu Beginn beschrieben und demonstriert.

Im Rahmen des Workshops werden die Fragen der teilnehmenden Experten zum Diskurs gestellt. Zur Strukturierung wird die Methode „World Café“ angewendet. Nach einer thematischen Einleitung in das Projekt und Demonstration des KI-Systems „ERiK“ werden in vier aufeinander folgenden Gesprächsrunden parallel Gestaltungskriterien des KI-Systems ERiK diskutiert und dokumentiert. Abschließend werden die Ergebnisse aus den Gesprächsrunden im Plenum präsentiert und konsolidiert. Es sind sowohl wissenschaftliche als auch praxisorientierte Erkenntnisse zur Berücksichtigung in der Entwicklungs- sowie Implementierungsphase von KI-Systemen wie des Softwareprototypens ERiK zu erwarten und fließen in dessen Weiterentwicklung ein.

Über die letzten beiden Jahrzehnte wurde in den arbeitswissenschaftlichen Instituten im DACH-Raum gezielt zum Thema Produkt- und Systemexploration in verschiedenen Domänen geforscht, u.a. im Kontext der Softwaregestaltung, künstlichen Intelligenz, Telepräsenz bzw- operation, Virtual/ Augmented/ Extended Reality, (hoch-)automatisierten Fahrzeugen oder Robotik. Das größte Potential zur Verbesserung dieser soziotechnischen Systeme liegt in der frühen Design- und Entwicklungsphase. Entscheidend dabei ist, Nutzer so früh wie möglich in die Entwicklung miteinzubeziehen und „im Loop zu halten”. Hierbei werden multidisziplinäre Methoden genutzt, die u.a. aus der traditionellen Produktergonomie (z.B. informationstechnische Gestaltung), der Softwareentwicklung, der Psychologie, den Systemwissenschaften (Systems Engineering & Human Systems Integration), dem Technischen Design (z.B. 3D-Modellierungen) oder agilen Ansätzen wie dem Design Thinking stammen. Darüber hinaus werden im Bereich der Produktgestaltung Methoden domänenbezogen (vgl. Sitzdruckmatte im Fahrzeug) oder –übergreifend (z.B. Eye-Tracking) sowie zumeist interdisziplinär (z.B. Psychophysik) weiterentwickelt.

Die Exploration als Leitmotiv des Workshops steht dabei für die Bereitschaft, neue Pfade zu erkunden und unkonventionelle kreative Ideen zu erproben. Aktuelle Inhalte und Methoden zur Exploration und Gestaltung soziotechnischer Systeme werden vorgestellt, die an den beteiligten Instituten genutzt und weiterentwickelt werden. Neben den vorgestellten Methoden und Grundlagen der Produktgestaltung und Systemexploration, werden zunächst anhand von Use-Cases die User Stories für Personas in einer praktischen Übung in Kleingruppen entwickelt. Ausgehend von einem Impulsvortrag zum wertebasierten Systemgestalten werden wesentliche Werte -und Systemqualitäten identifiziert und mögliche Zielkonflikte identifiziert.

Nach einem Impulsvortrag wird der Gestaltungsraum im Rahmen der Use-Cases ausgearbeitet. Abschließend werden Prototyping-Methoden wie LEGO Serious Play vorgestellt und in der Gruppenarbeit angewendet, um für den zuvor bearbeiteten Use-Case ein neuartiges Produkt zu gestalten. In den Phasen der explorativen Gestaltung können unterschiedliche generative KI-Tools beim Workshop spielerisch eingesetzt werden, um die menschliche Kreativität zu unterstützen.

Eine vollständige Automatisierung von Prozessen ist gleichwohl technisch bzw. wirtschaftlich oftmals nicht sinnvoll, da mit menschlicher Intervention auf Ausnahmen flexibel reagiert und Ergebnisse eingeordnet werden können. KI ist dagegen sehr gut geeignet, Muster in Datenströmen zu erkennen. Sie kann in der Regel aber nicht alle Auswirkungen abschätzen, die ihre Ergebnisse in der betrieblichen Praxis haben können.  Eine menschengerechte KI ist ein Unterstützungswerkzeug, das auf Fähigkeiten der Beschäftigten aufbaut und diese komplementiert. Das Konzept der Humanzentrierung drückt aus, dass sich Mensch und Technik in ihrer Arbeit ergiebig ergänzen und zu den Maximen Arbeitszufriedenheit, Akzeptanz und wirtschaftlicher Wohlstand beitragen können.

Im Workshop steht zur Diskussion, wie im Unternehmen die Humanzentrierung von KI im sozialpartnerschaftlichen Kontext in die Umsetzung gebracht werden kann und welche Hürden dabei zu überwinden sind. Zudem wird erörtert, wie adäquate Beteiligungsformate und -strukturen in die Entwicklung, die Einführung und das Monitoring von humanzentrierten KI-Anwendungen im Zuge des KI-Change-Managements eingebracht werden können. Wie lassen sich die Bedarfe von Beschäftigten, z. B. Transparenz, Mitgestaltungsoptionen und Arbeitsplatzerhalt mit Unternehmensinteressen wie Effizienzsteigerung und Automatisierung vereinbaren? Und wo kann die Arbeit der Sozialpartner anknüpfen?

Nach einem Impulsvortrag werden im Workshop die Umsetzungsmöglichkeiten von humanzentrierten KI-Kriterien und deren Grenzen beispielhaft diskutiert. Dabei stehen vor allem Kriterien der Mensch-KI-Interaktionsschnittstellen wie Erklärbarkeit, Interventionsmöglichkeiten und Agency im Vordergrund. Als fachliche Grundlage für die Session dient ein aktueller Handlungsleitfaden für Sozialpartner, der im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundprojektes „Humanzentrierte Künstliche Intelligenz in der Chemischen Industrie (hKI-Chemie)“ erarbeitet wurde. Er thematisiert Kriterien einer humanzentrierten KI und sich bietende Handlungsoptionen für die betriebliche Ebene und die Rolle der Betriebsräte innerhalb des KI-Change-Managements. Neben der Diskussion der o.g. Fragen geht es in der Session darum, zukünftige Möglichkeiten für die Umsetzung einer humanzentrierte KI im Betrieb zu thematisieren.

Wissensarbeit ist von zentraler Bedeutung in der modernen Wirtschaft, da sie auf der Nutzung, Erstellung und Anwendung von Wissen basiert und somit eine Triebkraft für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliches Wachstum ist. Auf individueller Ebene ermöglicht Wissensarbeit den Menschen, ihre Fähigkeiten und Kreativität sinnstiftend einzusetzen, wodurch sowohl die berufliche Entwicklung gefördert als auch neue Lösungen und Ideen generiert werden können. Wissensarbeit stellt aber ein schwer fassbarer Untersuchungsgegenstand dar. Insbesondere entzieht sich Wissensarbeit oft der direkten empirischen Beobachtbarkeit in der Feldforschung oder in Laborexperimenten. Daher wird häufig auf Umfragen zurückgegriffen, welche das tatsächliche Verhalten bzw. den Arbeitsprozess von Wissensarbeitenden nicht zuverlässig präzise und nicht zu allen relevanten Zeitpunkten valide erfassen kann. Als Resultat dieses Beobachtungsproblems ist bis heute nur unzureichend geklärt, welchen Tätigkeiten Wissensarbeitende zu welchen Anteilen ihrer Arbeitszeit mit welchen unterstützenden Technologien und Tools nachgehen. Möglichkeiten der Erforschung und Optimierung von wissensintensiven Arbeitsprozessen bleiben verschlossen.

Citizen Science bezeichnet eine Form der Wissenschaft, bei der Bürgerinnen und Bürger (wissenschaftliche Laien, d. h. auch Beschäftigte) aktiv an einem Forschungsprozess teilnehmen, z. B. als Beobachter:innen, Datensammler:innen oder Analytiker:innen. Obwohl sie keine methodologisch geschulten Forscher:innen sind, sind sie Expert:innen ihrer Themendomäne, ihres Arbeitsplatzes und ihrer Tätigkeiten. Citizen Science Ansätze zu adaptieren und auf diesen Wissensschatz anzuwenden, ermöglicht eine tiefere und breitere Erforschung von Themen durch die Integration vielfältiger Perspektiven und Kompetenzen, die über das hinausgehen, was durch herkömmliche Befragungen erreicht werden kann. So könnte nun Citizen Science in der Arbeitsforschung in vielfältiger Weise eingesetzt werden und aufgrund der aktiveren und resistenteren Beteiligung von freiwillig teilnehmenden Wissensarbeitenden einen bedeutenden Beitrag leisten.

Der Workshop zielt darauf, Potenziale von Citizen Science in der Arbeitswissenschaft zu erörtern, insbesondere bei der Erforschung von Wissensarbeit, sowie konkrete Ansätze für den Einsatz von Citizen Science in der Arbeitswissenschaft zu entwickeln. Am Rande des Workshops können ausgewählte Praxisbeispiele aus der Citizen Science Welt gezeigt werden, in denen Fraunhofer-Wissenschaftler involviert waren.

Die in der zweiten Wettbewerbsrunde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekte „Regionale Kompetenzzentren der Arbeitsforschung“ (ReKodA) haben ihre Arbeit aufgenommen. Die Kompetenzzentren (KOMATRA, KREIS und RESSOURCE) besitzen innovative Themenzuschnitte der Arbeitsforschung mit hoher Bedeutung für die regionalen Wirtschafts- und Arbeitsregionen und für die Gestaltung zukunftsfähiger Arbeit:

  • „Werteorientiertes Arbeiten und Lernen in der Kreislaufwirtschaft“ in den Branchen Automotive und Medizintechnik in der Region Saar-Pfalz (KOMATRA)
  • „Nachhaltig Arbeiten in der Kreislaufwirtschaft“ in den Bereichen Mobilität der Zukunft, nachhaltige Entwicklung von PV-Paneelen und Recycling von Elektrogeräten in der Region SüdOstNiedersachsen (KREIS)
  • „RessourcenEntwicklung in Dienstleistungsarbeit“ mit dem Fokus auf der entwicklungsförderlichen Gestaltung von Einfacharbeit in den Sektoren Logistik und gesundheitsbezogene Dienstleistungen in der Region NordWest um die Städte Bremen, Bremerhaven, Wilhelmshaven und Oldenburg (RESSOURCE)

Die ReKodA sollen nicht nur dauerhaft einen Nutzen für Arbeit und Wirtschaft in der Region bieten, sondern auch Arbeitsforschung dauerhaft in der Region etablieren und nutzbar machen für die Praxis. Auf diese Weise kann einerseits beständig (neues) Wissen der Arbeitsforschung in die Zentren und darüber in die Praxis eingespeist und andererseits Anwendungswissen aus der Praxis wieder in die Arbeitsforschung zurückgespielt werden. Dadurch bieten die ReKodA eine neue Basis für einen vertieften themenbezogenen transdisziplinären Wissensaustausch, der weit über die Phase der initialen Förderung hinausreichen soll. Es ergeben sich somit Chancen, einen bidirektionalen Wissenstransfer zwischen Praxis und Wissenschaft nachhaltig zu gestalten –das nicht nur für die Dauer eines Verbundprojekts, sondern möglichst darüber hinaus. Die dauerhafte Kollaborationsbasis der ReKodA bietet auch Chancen für eine deutlich verbesserte Reflexivität des Wissenstransfers.

Im Workshop sollen zum einen die Themen und Ziele der ReKodA vorgestellt werden. Zum anderen sollen die Transferverständnisse (v. a. „Transfer in Tiefe“) der ReKodA im Zusammenhang mit ihren Zielen und Themenstellungen und regionalen Bezügen ebenso wie die Rolle der Arbeitsforschung in den jeweiligen Zentren und fokussierte Arbeitsgestaltungslösungen reflektiert werden. Alle ReKodA sind eingeladen, sich mit einem Input zu beteiligen. Angestrebt werden insgesamt 5 bis 6 Inputs, die im Rahmen des Workshops ausreichend Raum für Diskussion, zum Kennenlernen und zur Vernetzung lassen sollen.

Barrierefreiheit ist ein Aspekt, der in der Arbeitswelt häufig nur marginal Beachtung findet. Technische Regeln für Arbeitsstätten fordern eine barrierefreie Gestaltung erst dann, wenn Menschen mit Behinderungen im Unternehmen tätig sind. Ein solcher Ansatz erhöht nicht nur die Hürden für die Einstellung von Menschen mit Behinderungen, sondern macht auch nachträgliche Anpassungen komplex und kostspielig.

Die Problematik beschränkt sich nicht nur auf physische Arbeitsumgebungen. Auch in der digitalen Welt, insbesondere bei Webseiten und Technologien, mangelt es oft an Barriere-freiheit. Dies sollte nicht als bloßer Gestaltungsmangel betrachtet werden, vergleichbar mit mangelnder Individualisierbarkeit oder Fehlertoleranz. Die Auswirkungen einer fehlenden Barrierefreiheit sind gravierender: Menschen mit Behinderungen können von bestimmten Tätigkeiten ausgeschlossen werden, ihre Rollen nicht vollständig ausfüllen und in einigen Fällen sogar gesundheitliche Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen erleiden.

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, welches darauf abzielt, die Barrierefreiheit in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens zu verbessern, spielt hier eine zentrale Rolle. Es legt fest, dass sowohl physische Einrichtungen als auch digitale Dienstleistungen für alle Menschen, einschließlich Menschen mit Behinderungen, zugänglich sein müssen. Trotz dieser gesetzlichen Vorgaben gibt es in der Praxis immer noch viele Herausforderungen bei der Umsetzung von Barrierefreiheit.

Trotz der offensichtlichen Relevanz ist die arbeitswissenschaftliche Forschung in diesem Bereich unterrepräsentiert, und Barrierefreiheit wird nicht als bedeutender Arbeitsbedingungsfaktor anerkannt. In unserem Workshop möchten wir diese Lücke adressieren und diskutieren, wie die arbeitswissenschaftliche Forschung stärker zur Schaffung einer inklusiven Arbeitswelt beitragen kann. So wird es uns möglich, Menschen mit Behinderungen mehr Teilhabechancen zu eröffnen, die für alle mit erhöhter Hilfsbereitschaft, Kreativität und Leistung einhergehen können.

Durch Jahrzehnte unverdrossenen Brückenbauens und Integrierens zwischen technischen, an Menschen und an Organisationen orientierten Disziplinen, hat sich die Arbeitswissenschaft immer weiter von der reinen Analyse und Beurteilung von Arbeitsvorgängen hin zur Mitgestaltung von Arbeitssystemen und -prozessen emanzipiert. Diese Arbeitswissenschaft „in-the-loop“ wird umso wichtiger, je mehr unsere soziotechnischen Systeme und wir Menschen durch technologischen Druck („technology push“) wie zunehmende Digitalisierung, Virtualisierung und Künstliche Intelligenz, aber auch erhöhten Anforderungen („requirements pull“) z.B. durch Klimawandel, Pandemien, Migrationsbewegungen oder Kriege unter Spannung gesetzt werden. Soziologen wie Hartmut Rosa sprechen hier von zunehmender Beschleunigung, die Menschen und Systeme auch in den individuellen oder kollektiven Burnout treiben können.

Bei allen Chancen durch die äußere Fortentwicklung des Menschen und seiner soziotechnischen Systeme z.B. durch Technologie hat gerade die Arbeitswissenschaft systematisch herausgearbeitet, dass im gleichen Maße die innere Verfasstheit von Menschen und Systemen adressiert und mit den äußeren Möglichkeiten integriert werden muss. Dies wird z.B. als Teil der 17 „sustainable development goals“ der Vereinten Nationen sowie davon abgeleitet mit dem Leitmotiv der inneren Entwicklung adressiert (Inner Development Goals). Ein wichtiges Leitmotiv dieser inneren Entwicklung ist Achtsamkeit (mindfulness).

Der Workshop wendet sich einerseits an neugierige WissenschaftlerInnen, die sich mit dem Konzept Achtsamkeit vertraut machen und mögliche Anwendungen in der Arbeitswissenschaft ausloten wollen. Ziel des Workshops ist es, in das Konzept der Achtsamkeit sowohl als individuelle Kompetenz als auch als organisationale Fähigkeit einzuführen und partizipativ Chancen und Risiken, Gestaltungsraum und Grenzen des Konzeptes Achtsamkeit für die Arbeitswissenschaft „in-the-loop“ auszuloten.

Im Rahmen des Regionalen Zukunftszentrum Sachsen arbeiten wir gemeinsam mit KMU aus verschiedenen Branchen daran, systematisch Bedarfe zu erheben und daraus Innovationen in die Unternehmen zu integrieren. Im Prozess werden die Aspekte des sozialen, demografischen und ökologischen Wandels im Kontext der Digitalisierung fokussiert. Hierbei werden Grenzen deutlich, die eine Implementation von sozialen Innovationen und Prozessinnovationen erschweren können.

Die Einführung eines intraorganisationalen Lernmanagements bietet Unternehmen die Möglichkeit, aktuelle und unternehmensrelevante Themen in einem internen Weiterbildungsprozess gemeinsam mit der Führungs- und Mitarbeiterebene zu bearbeiten. Das entstehende und vorhandene fachspezifische Wissen von Mitarbeitenden kann mit technologischer Unterstützung strukturiert, erhalten und gesichert werden. Das Lernmanagement kann somit zur Schaffung von unternehmensspezifischen Lösungen, bspw. die Vermeidung von kostenintensiven Fehlern, beitragen. In Hinblick auf den Menschen, den Mitarbeitenden, werden zusätzlich die Digital- und Lehrkompetenz gestärkt. Es erfolgt eine gemeinschaftliche Weiterbildung in einem geschützten Raum. Die Einführung hat Einfluss auf die Veränderung des soziotechnischen Systems im Unternehmen.

Ziel ist es, durch eine systematische Vorgehensweise ein einheitliches Wissenslevel für die Lernenden aufzubauen, die Qualität der erstellten Lehrangebote sicherzustellen und so zum Lernerfolg beizutragen. Des Weiteren kann durch die Schaffung optimaler Lernbedingungen im Unternehmen die Innovations- und Lernfähigkeit gesteigert werden. In Bezug auf die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Agenda 2030) kann ein intraorganisationales Lernmanagement unter anderen einen Beitrag für hochwertige Bildung (SDG 4), die Geschlechtergleichheit (SDG 5) und Industrie, Innovation und Infrastruktur (SDG 9) leisten.

Jedes Unternehmen bringt andere Erwartungen, Herausforderungen, organisatorische, technische und finanzielle Möglichkeiten mit sich. Demnach ist es im Vorfeld notwendig, eine gezielte Anforderungsanalyse durchzuführen, um geeignete unternehmensinterne Weiterbildungskonzepte und -prozesse zu implementieren, die technologisch unterstützt werden und nachhaltig angelegt sind. Der Workshop identifiziert im ersten Schritt die Bedarfe von KMU über die Grenzen von Sachsen hinaus und schafft eine Diskussionsgrundlage für die Arbeitsforschung.

Die Regionalen Kompetenzzentren der Arbeitsforschung (ReKodA) wurden im Rahmen des Programms „Zukunft der Wertschöpfung: Forschung zu Produktion, Dienstleistung und Arbeit“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gegründet, um den Wissenstransfer von innovativen Erkenntnissen aus der Arbeitsforschung in kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu forcieren. In der Folge soll die bestehende Transferlücke zwischen Wissenschaft und Praxis geschlossen sowie die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der KMU gestärkt werden. Transfer fungiert dabei als Bindeglied zwischen der Entwicklung und der Umsetzung von Ergebnissen der Arbeitsforschung. Seine Wirksamkeit ist eng an die tatsächliche Anwendung der gewonnenen Erkenntnisse in der Praxis geknüpft und daher sehr komplex sowie vielschichtig.

Das Begleitprojekt „Wissens- und Innovationsnetzwerk: Arbeitsforschung“ (WIN:A) unterstützt die Transferarbeit der ReKodA, insbesondere in strukturschwachen und vom Kohleausstieg betroffenen Regionen. WIN:A betont zudem die zentrale Rolle intermediärer Organisationen, wie Verbänden oder Beratungsstellen der Gewerkschaften, in der Unterstützung des Transfers. Als zentrale Akteure im Wissenstransfer erreichen sie eine Vielzahl an KMU und sollten in einer Transferstrategie zwischen Wissenschaft und Praxis berücksichtigt werden. Um den Transfererfolg sicherzustellen, bedarf es eines Monitorings, das die Möglichkeit zur rekursiven Steuerung des Transfergeschehens bietet.

Der Workshop dient als Ausgangspunkt, um zunächst die Transferprofile der ReKodA zu bestimmen und anschließend entsprechend spezifische Ansätze für eine gemeinsame Indikatorik zu erarbeiten. Die Exploration als Leitmotiv des Workshops steht für die Bereitschaft, neue Pfade zu erkunden und unkonventionelle kreative Ideen zu erproben. Nach dem erfolgreichen Auftakt auf dem GfA Frühjahreskongress 2023 sollen auch in diesem Jahr aktuelle Inhalte und Methoden zur Exploration und Gestaltung soziotechnischer Systeme vorgestellt werden, die an den beteiligten Instituten genutzt und weiterentwickelt werden. Neben den konzentriert vorgestellten Methoden und Grundlagen der Produktgestaltung und Systemexploration, werden zunächst anhand von Use-Cases die User Stories für Personas in einer praktischen Übung in Kleingruppen entwickelt. Ausgehend von einem Impulsvortrag zum wertebasierten Systemgestalten werden wesentliche Werte -und Systemqualitäten identifiziert und mögliche Zielkonflikte identifiziert.

Ziel des Workshops ist es, in der GfA eine inhaltliche und methodische Heimat für Produkt- und Systemgestalter zu etablieren, die perspektivisch auch für Personen in angrenzenden wissenschaftlichen Communities (z.B. Wissenschaftliche Gesellschaft für Produktentwicklung WiGeP, Gesellschaft für Informatik GI) attraktiv ist.

Im Internet existiert eine Reihe generalisierter Informationsangebote der Arbeitsforschung mit unterschiedlichem Umfang und unterschiedlicher Reichweite. Sie werden derzeit nur sporadisch für einen systematischen Transfer genutzt. Daher soll der Wissenstransfer durch eine digitale Kooperations- und Transferplattform belebt werden.

Das Projekt „Connect & Collect: KI-gestützte Cloud für die interdisziplinäre vernetzte Forschung und Innovation für die Zukunftsarbeit (CoCo)“ zielt darauf, ein „Ökosystem der Arbeitsforschung“ mit vielfältigen Transferprozessen zu fördern. Hierzu wird die Vernetzung von Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Intermediären, die sich in „Regionalen Kompetenzzentren der Arbeitsforschung“ zusammengeschlossen haben, unterstützt. Infrastrukturelle Grundlage dieses Ökosystems ist die digitale Plattform der Arbeitsforschung, die neben Kommunikation und Interaktion einen systematischen Zugriff auf gesammelte Daten- und Wissensbestände ermöglicht.

Die CoCo-Plattform nutzt die Funktionspotenziale der digitalen Informationstechnik, um Forschungs- und Innovationsprozesse durch Kommunikation, Beratung und Wissensanwendung zu unterstützen. Die prototypische CdA-Plattform beruht auf einer quelloffenen Social-Network-Software, die eine Interoperabilität mit weiteren IT-Systemen und Werkzeugen ermöglicht. Sie ist erweiterungsfähig, um durch die Einbindung dezentraler Angebote ein Anwachsen des Netzwerks zu ermöglichen.

Im Workshop werden der Prototyp und dessen Funktionalitäten vorgestellt. Vertreter der Zielgruppen sollen zur Nutzung motiviert werden. Ferner sollen Ergebnisse der Diskussion in die Weiterentwicklung der Plattform einfließen.